Lenz Bandmitglied: Christoph v. Knobelsdorff

Musikalischer Werdegang von Lenz Bandmitglied Christoph v. Knobelsdorff

Meine musikalische Biografie beginnt in den 80ern im Fränkischen. Zum Schlagzeug kam ich in einer Schulpause, als mal eben eine Schülerrockband gegründet und die Instrumente an die Interessierten verteilt wurden. Während die Band sich noch vor dem ersten Gig wieder auflöste blieb ich meinem mir zugeteilten Instrument treu. Anschließend sammelte ich dann in diversen Formationen erste Band- und Live-Erfahrungen, u.a. auf dem Erlanger Newcomer-Festival und verschiedenen Open-Airs in der Region. Musikalisch ging es zunächst eher hart zur Sache – war im Süden der Republik der späten Achziger so angesagt. Inspiration kam von Bands wie z.B. Rush, was ich auch heute noch erzähle, ohne rot zu werden. Neal Peart finde ich immer noch geil.

Christoph von knobelsdorff lenzAnekdoten aus dieser Zeit:
• Beim Newcomer-Festival in Erlangen spielten wir nach einer Punk-Band namens „Der König und der Vogel“. Der Sänger war dafür bekannt – gewissermaßen als Höhepunkt der Show – sich auf der Bühne den Darm zu leeren. Krass. „Das ist also Rock n Roll“, dachte ich mir in meiner jugendlichen Unschuld.
• Ein weiterer Gig mit einer anderen Band führte uns von Erlangen aus ins Fichtelgebirge, nach Marktredwitz. Es war tiefer Winter und wir waren unterwegs mit einem alten VW-Bully, der drei abgefahrene Sommerreifen und einen Winterreifen drauf hatte. Das wir heil angekommen sind, war schon ein Wunder. Der Lohn für unseren Einsatz war dann auch noch, dass das Marktredwitzer Publikum unser Set als zu kurz empfand und uns mit einem „Faule Säcke, Faule Säcke“-Chor verabschiedete.
• Bei einem der ersten Gigs dachten wir, wir müssten ein besonders schickes Bühnenbild haben und stellten die Bühne mit Fernsehern voll, für die wir einen extra Lieferwagen leihen mussten und uns an den Teilen fast totgeschleppt haben. Es sah weder gut aus (es handelte sich um defekte, ausgemusterte 70er-Jahre-Modelle mit Walnuss-Furnier, etc.) noch wusste das Publikum etwas damit anzufangen, da die Dinger ja nicht angingen, sonder nur rumstanden. Hinterher sagte einer, wir hätten die Teile wenigstens auf der Bühne in die Luft jagen müssen. Totale Schwachsinnsaktion.

1989 dann die „Flucht“ nach Berlin, wo ich mir über eine Tip-Annonce schon eine Band gesucht habe noch bevor ich eine Wohnung hatte. Die erste Formation hat ihren ersten Gig zwar nicht überlebt (die Anekdote zu diesem Gig kommt von Richard) aber immerhin lernte ich dabei Richard kennen, der sich dort am Bass versuchte.

Anekdote zu dieser Band (Roque Velvet):
• Am frühen Abend des 9. November 1989 trafen wir uns zur Probe. Wir wussten zwar, dass in Ost-Berlin der Teufel los war aber von der Mauer-Öffnung konkret wusste niemand. Unser Sänger kam mit Verspätung und nach zwei, drei Stunden, als die Probe vorbei war erzählte er beiläufig, die Mauer wäre auf – als er gekommen sei, wären überall Trabis rumgefahren. Ich hätte ihn fast gelyncht. Wir sind dann raus aus dem Proberaum und ich war mit Richard die ganze Nacht unterwegs, erst beim Übergang Invalidenstr. Später dann am Ku-Damm. So habe ich dann doch noch was mitbekommen von dem historischen Tag.

Mit Richard zusammen dann der erste ernsthafte Versuch, seine Songs umzusetzen mit den „Rebels off Course“. Es folgten unzählige Demoaufnahmen und Gigs in Berliner Clubs, aber trotz einiger vielversprechender Kontakte kam es nicht zum ersehnten Plattenvertrag und die Band wurde leider zu Grabe getragen.

Anekdote zu den Rebels:
Richard und ich saßen wie Pennäler im Büro beim „großen“ Fitz Braum der damals gerade nach Berlin gekommen war und wegen Fanta 4 einen Ruf wie Donnerhall hatte. Der fand unser Demo gut und wollte mehr. Wir haben ihm wie am Fliessband neue Sachen gebracht, aber er hat nicht angebissen. Er wollte zu einem unserer Gigs in den (alten) Franz-Club kommen, wir waren nervös wie sonst was. Hinterher stellte sich dann aber raus, dass er gar nicht dagewesen war.

Mich zog es dann zunächst zu einem Ableger von Poems for Laila: Mit deren Sängerin Wiebke Wiedek , Poems-Bassist Christian Podratzky und Gitarrist Haymo Doerk haben wir Chansons verrockt, u.a. auch auf einer Plattenproduktion. Für Poems-Chef Nikolai Tomas habe ich auch getrommelt – auf dessen Solo-Debut „Wild on“. An den Reglern im legendären Vielklang-Studio saß damals kein Geringerer als der spätere „Wir sind Helden“-Produzent Patti Meier.

Anschließend bin ich in die Country-Rock-Band „Hard Travelin“ eingestiegen, die sich während einer Tour im Vorprogramm der Folk-Metaller „Subway to Sally“ von ihrem Drummer getrennt hatten. Mit Hard Travelin, wo ich u.a. mit dem heute als Musikproduzent erfolgreichen Rob Tyger zusammenspielte, kam dann der lang ersehnte Platten-Vertrag bei Hansa/BMG. Die Maxi „No one’s gonna fool me“, produziert und aufgenommen von Matthias Schneeberger in Los Angeles erschien 1996, floppte aber leider.

Anekdoten zu Hard Travelin’
• Unseren dreiwöchigen USA-Trip zur Produktion unserer Maxi habe ich, glaube ich, mit 200 oder 250 Dollar in bar angetreten. Da habe ich dann gelernt, dass man in den USA ohne Kreditkarte kein vollwertiger Mensch ist. Aufgrund der angespannten Budgetlage haben wir uns in den 3 Wochen fast ausschließlich von Chicken Wings ernährt. Grauenhaft. Und von L.A. haben wir auch kaum was gesehen, weil man eben ohne Kreditkarte auch kein Auto mieten kann, das einzige Transportmittel in L.A.. Ich war noch nicht mal am Venice Beach…
• Mit Hard Travelin haben wir die Ochsen-Tour über die Käffer gemacht. Vor allem in Ostdeutschland. Wir haben da in ein paar Clubs gespielt, die wirklich unbeschreiblich waren. Das gilt auch für die Übernachtungsgelegenheiten, die man uns besorgt hat. In einer Pension stank es so erbärmlich, das wir alle vollständig bekleidet ins Bett gegangen sind, aus Angst vor Ungeziefer aller Art. In einem Club stand direkt vor der Bühne ein Tisch, an dem die Leute mit dem Rücken zu uns saßen und Bier soffen, ihr Desinteresse an dem was wir da machten auf diese Weise nachdrücklich demonstrierend.
• Gespenstisch ein Konzert im Gladhouse in Cottbus im Vorprogramm von Subway to Sally, mit bestimmt 800 Leuten gut gefüllt. Wir gaben alles und nach den Songs passierte – nichts. Keine Regung von 800 Leuten! Die fanden uns so uninteressant, das wir ihnen noch nicht einmal eine Unmutsäußerung wie Pfeifen o.ä. wert waren…

Etwas desillusioniert nahm ich erstmal eine musikalische Auszeit, die fast zwei Jahre anhielt und in der ich mir erstmal einen „anständigen“ bürgerlichen Beruf besorgt habe, von dem an leben kann. Aber ohne Musik ging dann auf Dauer auch nicht. Mit Rosenstolz-Geigerin Anne de Wolff, ihrem damaligen Mann Benjamin und Ex-Poems-Bassist Christian Podratzky gründete ich die Band „adel“, mit der wir im Frühjahr 2002 im Rahmen der „neupop 02-Tour“ zusammen mit „Wir sind Helden“ durch Deutschland tourten.

Nach der Auflösung von adel durch Bandleader Benjamin beschoss ich, nachdem ich wieder richtig Blut geleckt hatte, das es an der Zeit wäre, den Kontakt zu Richard zu reaktivieren, der sich zu dieser Zeit im „kreativen Ruhestand“ befand. Nach einem ermunternden Anruf folgten ein paar Meetings im Proberaum und siehe da, es funktionierte noch. Und so nahm Lenz dann seinen Lauf.