Lenz Bandmitglied: Richard Putz

Musiklaischer Werdegang von Lenz Bandmitglied Richard Putz.

Musik war zu Hause immer präsent, v.a. Klassik: Vater spielte Cello im Akademischen Orchester, Mutter Geige und Bratsche in verschiedenen Kirchenorchestern, meine Schwester Klavier, mein Bruder Klavier, Cello und Gitarre. Der zeigt mir als ich ca. zwölf bin die ersten Griffe (Weil ich keine eigene Gitarre habe lerne ich als Linkshänder rechtshändig spielen).

Während eines Dänemark-Urlaubs verzieh ich mich mit einem Beatles-Songbook in unserem Ferienhaus in mein Zimmer und lärme mich stundenlang durch die Saiten – in meiner Erinnerung die Initialzündung.

Zu Hause fange ich an mir die Akkorde auf dem Klavier zu suchen, hämmere pausenlos drauf rum und mach noch bevor ich die schwarzen Tasten verstehe mein erstes Lied: das Kuhdrecklied. Meine genervten Eltern wollen mir Unterricht besorgen und die dicke russische Klavierlehrerin klatscht beim Vorspiel beeindruckt von meinen autodidaktischen Errungenschaften – und kommt mir erstmal mit Fingerübungen und Tonleitern. Nach ca. 3 Stunden schmeiss ich hin. Dasselbe mit Gitarre: die Lehrerin (hochschwanger und rauchend!) ignoriert mein Griffe-Repertoire, besteht auf Gezupfe nach Noten und die klassische Haltung (Corpus aufs erhöhte, linke Bein) – ich bleib beim Rechten und breche ab.

Richard Putz LenzMit 16 reiche ich schließlich beim Senats-Wettbeberb „Schüler komponieren“ eins meiner Lieder ein (die Partitur muss mir mein Bruder schreiben): „Pickel auf der Nase“ – ich gewinne einen Sonderpreis und bin neben lauter pikfeinen Klassik-Klemmis der Publikumsliebling. In der Schule wird der Song ein kleiner Hit.

Dann folgt die erste Band: „L’unique verite“, in der ich Keyboard spiele. Gegründet habe ich die Band mit meinen Schulfreund Samuel Beck (Gitarre), ein Multitalent und kleiner Rebell. Die Band gewinnt Schülerband- und Talentwettbewerbe – aber bald kapseln Sam und ich uns als Duo („Beckside of Richness“) ab. Gegenseitig fasziniert von unserem Können schreiben wir Song um Song, nehmen nächtelang haufenweise Demos auf, spielen alle Instrumente selber, werden unzertrennlich, kiffen, träumen, sind Genies. Nach intensiven, kreativen, aber auch planlosen fünf Jahren trennen sich unsere Wege als wir wieder eine Band, die „Luchten“,  gründen und die sich schnell weg vom Songwriter-Pop hin zum Fusion-Jazz-Crossover entwickelt – das ist nicht mein Ding.

Zwischenzeitlich hab ich mich auch in anderen Bands versucht und lerne Christoph kennen als ich bei einer engagierten Weichspül-Popband, die ihrem ersten Gig aufgeregt entgegenfiebert, als Bassist einsteige. Es war auch der Letzte: Schon beim ersten Song reisst mir die eigentlich unreissbare E-Saite vom Bass und ohne Ersatzsaiten im Gepäck verschwinde ich erstmal Backstage um das Ding zu flicken. In der Zwischenzeit stellt sich der Sänger als so unhaltbar peinlich heraus dass die Band schon lange vor dem letzten Song als aufgelöst fest steht.

Bald werd ich orientierungslos Bassist beim in der Berliner Szene schon gefeierten Stones-Ableger „Pearls at Swine“. Deren Sänger lebt in den USA und wir fliegen mehrmals rüber um dort zu touren, proben und rumzuhängen -und ich nutze die Abwesenheit um mein Alibi-Studium (Bio/Sport) endgültig an den Nagel zu hängen. Der Höhepunkt: ein Gig im legendären CBGB’s in New Yorck! Ausserdem: gemeinsamer Auftritt mit „The Band“ und ein Support für Ex-Stone Mick Taylor in Chicago. Dann der Beinahe-Durchbruch: Altlantic-Boss Ahmed Ertegun höchstpersönlich schwärmt für die Demos, verspricht dem Sänger: „this is gonna be a real big thing..!“. Dann die Absage (angeblich weil man die Häme der Konkurrenz fürchtet als Stones-Entdecker nun eine Kopie zu signen) und Wochen später werden wir auch noch beim X-ten Versuch als Touristen einzureisen von der Einwanderungsbehörde am JFK straight in den Flieger zurück verfrachtet. Das wars – ich steige aus und die Band macht ein paar Jahre später doch noch ein Album bei Ariola, was aber flopt.

Als Nächstes gründe ich mit Christoph die „Rebels off course“ um endlich mal die Flut meiner Songs zu verwerten und wir landen bald irgendwie im Büro des frisch in Berlin gestrandeten Fanta4-Entdeckers Fitz Braum. Der ist angetan von unseren Demos, winkt jedoch nach Live-Sicht ab: wir seien zu altbacken!

Weiter geht’s als Bassist in diversen Bands: dem Seeed-Vorgänger „Derwish“, die „Bengels“ (Punk-Trio, abermals mit Sam), „Superstore“ (brit. Gitarrenpop) und noch einige mehr. Ansonsten verdinge ich mich als Strassenmusiker. Im stillen Kämmerchen weiter Song um Song schreibend, jobbe ich mich durchs Leben. Kurzausflüge ins Muckertum (Studio-und Partymusiker) zeigen mir schnell dass ich Geld mit was anderem verdienen muss wenn mir Musik noch Spass machen soll. Also mache ich eine Fortbildung zum Programmierer während des dot com-Booms. Als ich in Hamburg fest angestellt die Musik dann fast an den Nagel hänge werde ich langsam depressiv.

Auf Christophs Initiative hin gründen wir wieder eine Band und fangen unregelmäßig und mit wechselnden Musikern an zu proben…ich entdecke meine Wurzeln- das Piano- wieder und es entwickelt sich LENZ.

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